
Der Zusammenbruch der DDR markierte nicht nur eine politische Wende, sondern auch das jähe Ende einer literarischen Tradition. In einer beispiellosen Aktion wurden unzählige Bände entsorgt, Verlage, Bibliotheken und kulturelle Institutionen radikal abgewickelt. Carsten Gansel beleuchtet in seiner Analyse, wie die Beurteilung von Texten plötzlich nur noch politischen Kategorien wie »staatsnah« oder »staatsfern« folgte und ästhetische Qualitäten kaum noch eine Rolle spielten. Mit dramatischen Konsequenzen, nicht nur für die Autoren. Carsten setzt sich für einen anderen Blick auf die literarische Vielfalt jener Jahre ein und für eine Rehabilitierung dieser Stimmen, von Christa Wolf über Werner Bräunig, Gerti Tetzner, Irmtraud Morgner und vielen anderen.